Zeitgenössische koreanische Kunst, wo man sie am wenigsten erwartet

K-Culture

Die Langen Foundation zeigt Werke von Kim Min-Jung und Park Seo-Bo

Mitten im Nirgendwo in NRW, auf halbem Wege zwischen Neuss und Grevenbroich. Wir sind die einzigen Fahrtgäste die den Bus an der Haltestelle Bergerhof verlassen. Regen, Wind, das Gelände der ehemaligen NATO-Raketenstation menschenleer. Nach 10 Minuten Fußweg erreichen wir die Lagen Foundation. Hier sind zum ersten Mal in Deutschland Einzelausstellungen von Kim Min-Jung und Park Seo-Bo zu sehen.

Kim Min-Jung

Charakteristisch für Kims (*1962) Werk ist die Arbeit mit Hanji. Das strapazierfähige Hanji-Papier wird nach koreanischer Tradition aus jungen Trieben des Maulbeerbaumes hergestellt. In ihren abstrakten Kollagen erzeugt Kim Tiefe und Struktur, indem sie mit Räucherstäbchen kleine Löcher und Formen in die durchscheinenden Hanji-Blätter brennt und diese dann neben und übereinander mit Reiskleber auf der Leinwand anbringt. 

I am always aware of the importance of equilibrium. You can call it Yin and Yang as in traditional Asian philosophy or just simply a balance between the opposites.

Kim Min–Jung

Dieses besondere Material ist bei weitem nicht der einzige Anknüpfungspunkt zur koreanischen Kunst– und Kulturgeschichte. Kims Auseinandersetzung mit traditioneller koreanischer Kalligraphie und Aquarellkunst lässt sich ihren Werken unschwer ablesen. In den hohen Ausstellungsräumen überträgt sich die meditative Haltung, die Kims Schaffensprozess bestimmt, auf die Betrachterin und den Betrachter.

MINJUNG KIM | Langen Foundation | Kuratorin: Christiane Maria Schneider
Video: Ralph Goertz / Isabel Hernandez | IKS – Institut für Kunstdokumentation

Park Seo-Bo

Auch für Park (*1931) ist die asiatische Kalligraphie (ein) Ausgangspunkt seiner Kunst. Sein Hauptwerk Ecriture, aus dem mehrere Werke in der Langen Foundation zusehen sind, stellt diesen Bezug auch namentlich her. Mit seinen Bleistiftarbeiten und monochromen Gemälden, die er mit plastischen Hanji-Elementen aus der Zweidimensionalität befreit, will Park einen Gefühls–, bzw. Geisteszustand, der Leere heraufbeschwören.

Art is no longer the task of filling something, but a task of emptying away… I want to reduce and reduce – to create pure emptiness.

Park Seo-Bo

Das Erfahrbare (die Welt, die Kunst) kann nicht alleine durch Tradition überliefert werden. Jede und jeder muss für sich einen eigenen Zugang zu allem Erfahrbaren finden. Um wirklich offen zu sein, müssen wir Raum machen für das Außen. Die innere Leere ist für Park ein erstrebenswerter Zustand der Aufgeschlossenheit der Welt und der Kunst gegenüber. Erst an diesem Punkt angelangt, scheint es möglich, an Tradition und Vorangegangenes anzuknüpfen. Unter neuen Vorzeichen.

PARK SEO-BO | Langen Foundation | Kuratorin: Christiane Maria Schneider
Video: Ralph Goertz | Übersetzung: Kim Ye-Won | IKS – Institut für Kunstdokumentation

Ausstellungen von Kim Min-Jung und Park Seo-Bo

Falls ihr in der Gegend seit: bis zum 22. März 2020 habt ihr Zeit, die Gemälde und Kollagen von Kim Min-Jung und Park Seo-Bo in der Langen Foundation zu sehen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Museum von Düsseldorf aus in circa eineinhalb Stunden zu erreichen, mit dem PKW sollte es deutlich schneller gehen. Der Weg lohnt sich in jedem Fall.

Ansonsten stellen beide Kunstschaffende momentan auch in New York aus. Die Hill Art Foundation widmet dem Werk Kim Min-Jungs bis Juni eine eigene Ausstellung. Park Seo-Bo wird im Rahmen der Ausstellung Making Time: Process in Minimal Abstraction bis August im Guggenheim Museum zu sehen sein.

Aus aktuellem Anlass: In Zeiten der Corona-Pandemie möchten wir euch natürlich nicht zum Reisen oder zu einem Museumsbesuch ermuntern, sofern das überhaupt noch möglich sein sollte. Informiert euch auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums, wie ihr euch und eure Mitmenschen am besten schützen könnt. Passt auf euch auf und bleibt gesund!

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